Apothekerkammer des Saarlandes
Körperschaft des öffentlichen Rechts





(Saarbrücken, 08. Dezember 2009) – Der Handel mit gefälschten oder illegal eingeführten Medikamenten nimmt einen immer größeren Umfang an. Die deutschen Zollfahnder stellten im laufenden Jahr bereits 5 Mio. gefälschte Tabletten sicher, 2006 waren es noch 1,6 Mio. Zu den gängigsten gefälschten Medikamenten gehören Antibiotika, Krebs- und Malariamittel, Schmerztabletten, cholesterinsenkende Medikamente oder das Potenzmittel Viagra®.
Die Apothekerkammer des Saarlandes schließt sich der Forderung des zuständigen EU-Industriekommissars Günter Verheugen an, Medikamentenfälschungen als Kapitalverbrechen einzustufen, das mit aller Härte bestraft werden müsse.
Dazu Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes: „Der Anteil gefälschter Medikamente im Internet beträgt mehr als 50 %! Der Internethandel mit Arzneimitteln ist das Einfallstor für gefälschte Arzneimittel in Deutschland. Dem kann nur durch ein Verbot des Internet- und damit Versandhandels mit Medikamenten ein Riegel vorgeschoben werden. Die nunmehr vorliegenden Zahlen verdeutlichen, dass hier politischer Handlungsbedarf besteht. Bereits seit Jahren hat die Apothekerkammer des Saarlandes immer wieder auf diese Problematik hingewiesen! Gefälschte Arzneimittel enthalten oft keinerlei Wirkstoffe oder aber in der falschen Dosierung. Außerdem sind die Medikamente oft mit gesundheitsschädigenden Hilfsstoffen wie Schwermetallen verunreinigt. Viele untergemischte Wirkstoffe haben unkalkulierbare, zum Teil lebensbedrohliche Risiken. Selbst Experten haben mittlerweile Schwierigkeiten, gefälschte Arzneimittel zu erkennen. Am besten können sich Verbraucher dadurch schützen, wenn sie ihre Arzneimittel nur bei einer niedergelassenen deutschen Apotheke beziehen, denn Fälschern ist es so gut wie nie gelungen, gefälschte Medikamente in die reguläre Vertriebskette von Arzneimitteln einzuschleusen.“
Hintergrund: Die Professionalisierung im Bereich der Arzneimittelfälschungen hängt mit der Lukrativität des Marktes zusammen. Arzneimittel zu fälschen ist für Kriminelle lukrativer als der Drogenhandel. So kostet auf dem Schwarzmarkt ein Kilogramm an Plagiaten des Lifestyle- Arzneimittels Viagra® durchschnittlich 90.000 Euro. Ein Kilogramm Kokain kostet geschätzte 65.000 Euro, Heroin 50.000 Euro, Marihuana 8.000 Euro und Ecstasy 1.300 Euro.
gez.
Manfred Saar
(Präsident)
Schlankheitsmittel sind keine Wunderwaffen gegen Übergewicht
(Saarbrücken, 06. Januar 2010) – Wer Gewicht verlieren will, sollte sich mehr bewegen und seine Ernährung umstellen. Schlankheitsmittel können diese langfristige Verhaltensänderung nicht ersetzen, sondern bestenfalls unterstützen. Immer neue Nahrungsergänzungsmittel werden als Wunderwaffen gegen Übergewicht beworben. „Wer hofft, seine überzähligen Pfunde allein durch Tabletten dauerhaft ohne Nebenwirkungen verlieren zu können, irrt leider“, so Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes. „Das Versprechen, schnell und ohne Diät nach Belieben abzunehmen, ist schlicht Quacksalberei. Wer sich unabhängig informieren will oder Hilfe beim Abnehmen braucht, kann mit seinem Apotheker sprechen.“ Im Saarland haben sich ca. 80 Apotheken auf Ernährungsberatung spezialisiert. Wenn eine Ernährungsumstellung nicht ausreicht, sollten Verbraucher in erster Linie zu zugelassenen Medikamenten greifen statt zu Nahrungsergänzungsmitteln.
Schlankheitsmittel von dubiosen Internethändlern enthalten oft riskante Inhaltsstoffe, ohne dass dies für den Verbraucher erkennbar ist. Bei einem Testkauf der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2007 waren 13 von 16 bestellten Schlankheitsmitteln gesundheitsgefährdend. Manfred Saar: „Verbraucher sollten heute bei Bestellungen bei dubiosen Internethändlern sehr kritisch sein, denn der Handel mit gefälschten Präparaten hat in den letzten Jahren drastisch zugenommen.“ In einer Online-Umfrage gab mehr als jeder Zweite an, schon einmal Schlankheitsmittel ausprobiert zu haben.
In Apotheken gibt es verschiedene Medikamente, die einen Gewichtsverlust nach einer Ernährungsumstellung unterstützen können. Je nach Wirkstoff und Dosierung sind sie rezeptfrei oder verschreibungspflichtig. Als Nebenwirkungen sind je nach Wirkstoff unter anderem Magen-Darm-Beschwerden, Schlaflosigkeit, erhöhter Blutdruck oder Kopfschmerzen möglich. Abführmittel oder Diuretika sind grundsätzlich nicht als Diäthilfen geeignet. Füll- und Quellstoffe, wie zum Beispiel Weizenkleie, sind unbedenklich.
gez.
Manfred Saar
(Präsident)
(Saarbrücken, 11.01.2010) - Im Saarland können die Verbraucher ab sofort bei ihrer Suche nach einer Nacht- und Notdienst-Apotheke die neue kostenlose Apotheken-Notdienst-Hotline unter
0800 228 228 0
nutzen. Dieser nunmehr kostenlose Service wird von der Apothekerkammer des Saarlandes unterstützt und macht es möglich, immer und überall die nächste dienstbereite Notdienst-Apotheke kostenlos zu finden. Über die 0800 228 228 0 ist der Dienst jederzeit erreichbar – und das völlig kostenlos aus allen deutschen Fest- und Mobilfunknetzen.
Auf Wunsch werden die Verbraucher mit der Apotheke verbunden. So können direkt wichtige Fragen geklärt werden: Welches Präparat benötige ich? Muss es bestellt werden oder ist es vorrätig? Wann ist es abholbereit? Gibt es Besonderheiten zu beachten?
„Verbraucher im Saarland profitieren wie bereits in der Vergangenheit von der Servicebereitschaft der Apotheken auch an Sonn- und Feiertagen sowie im Notdienst“, sagt Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes. „Zusammen mit der Stiftung Deutsches Gesundheits-Telefon und deren Stiftern ist es uns nunmehr möglich, die Apotheken-Notdienst-Hotline der Apothekerkammer des Saarlandes kostenlos rund um die Uhr aus allen deutschen Fest- und Mobilfunknetzen zu erreichen“, so Saar.
Hintergrund: Ende 2006 hat die Apothekerkammer des Saarlandes als erste Kammer bundesweit eine Apotheken-Notdienst-Hotline unter der Rufnummer 01805/ 93 88 88 eingerichtet, die kostenpflichtig war (zuletzt 0,14 €/min.). Durch Verhandlungen hat die Apothekerkammer des Saarlandes nunmehr erreicht, dass der bisherige und auch zukünftige Vertragspartner, @apotheken.de/DAN Netzwerk Deutscher Apotheker GMBH den Service nunmehr unter der 0800 228 228 0 bei Anruf aus allen deutschen Fest- und Mobilfunknetzen kostenlos anbieten kann.
Manfred Saar
(Präsident)
(Saarbrücken, 18.03.2010) - Im Jahr 2009 stellten die 341 saarländischen Apotheken rund 220.000 Rezepturen für Versicherte der Gesetzlichen Krankenkassen her. Dies wertete das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut e.V. (DAPI) im Auftrag der Apothekerkammer des Saarlandes aus. Rezepturen für Privatversicherte und für die Selbstmedikation wurden nicht erfasst. „Die Apotheker arbeiten bei den Rezepturen Hand in Hand mit den Ärzten und ermöglichen so eine maßgeschneiderte Therapie. Die Zahl der Rezepturen – und damit der hohe personelle Einsatz der Apotheker – bleibt seit Jahren auf einem unverändert hohen Niveau“, so Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlands. Um eine hohe Qualität der Rezepturen zu gewährleisten, haben die Apotheker Rezeptur-Leitlinien und Standardrezepturen erarbeitet. Zudem bietet die Apothekerkammer des Saarlandes Ringversuche zu Rezepturen und gemeinsame Arbeitskreise von Hautärzten und Apothekern an.
Individuell in der Apotheke angefertigte Rezepturen sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Arzneimitteltherapie. Im Saarland wurden im Jahr 2009 etwa 190.000 allgemeine Rezepturen wie Salben oder Kapseln hergestellt. Hinzu kommen 30.000 sogenannter Spezialrezepturen, wie Zytostatika oder Ernährungslösungen, die unter hohem technischem und organisatorischem Aufwand von spezialisierten Apotheken hergestellt wurden. Sechs von zehn allgemeinen Rezepturen wurde von Hautärzten verordnet. Es folgten die Ärzte für Allgemeinmedizin, sie verordneten etwa 18 Prozent aller Rezepturen. Kinderärzte stehen mit 9 Prozent aller Rezeptur-Verordnungen auf Platz drei. Für Kinder sind Rezepturen besonders wichtig, da nicht von allen Wirkstoffen industrielle Arzneimittel in kindgerechten Dosierungen verfügbar sind. Etwa jedes dritte Kind wurde schon einmal mit einem maßgeschneiderten Arzneimittel versorgt.
Manfred Saar
(Präsident)
– Für jeden vierten Versicherten einer gesetzlichen Krankenkasse (GKV) im Saarland – das sind etwa 270.000 Bürger – waren im Lauf des Jahres 2009 fünf oder mehr unterschiedliche Wirkstoffe zur Behandlung notwendig. Das wertete das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut e.V. (DAPI) im Auftrag der Bundesapothekerkammer (BAK) aus. Für 9 Prozent der Versicherten – und damit rund 100.000 Saarländer – verordneten Ärzte sogar elf oder mehr verschiedene Wirkstoffe. Mit der Anzahl der gleichzeitig angewendeten Wirkstoffe steigt auch das Risiko für Wechselwirkungen. „Besonders wenn verschiedene Ärzte Medikamente verordnen, kann nur der Apotheker Wechselwirkungen erkennen und mögliche Probleme gemeinsam mit dem verordnenden Arzt lösen“, so Manfred Saar, Präsident der Landesapothekerkammer Saarland. Der Apotheker kann nur dann die relevanten Wechselwirkungen erkennen, wenn er einen Überblick über alle eingenommenen Medikamente hat – auch die der Selbstmedikation oder zusätzlich privat verordnete Medikamente, wie zum Beispiel die Antibabypille. Saar: „Mein Rat an Patienten: Berichten Sie Ihrem Apotheker von allen Präparaten, die sie einnehmen. Nur wenn Patienten, Ärzte und Apotheker eng zusammenarbeiten, ist die Arzneimitteltherapie sicher.“
Das DAPI wertete Rezeptdaten für das Jahr 2009 für alle GKV-Versicherten aus. Bundesweit lösten mehr als 80 Prozent der Versicherten mindestens ein Rezept in einer Apotheke ein. Im Saarland brauchten 41 Prozent der Versicherten einen, 18 Prozent zwei rezeptpflichtige Wirkstoffe. Drei Wirkstoffe verordneten Ärzte für 10 Prozent, vier für 6 Prozent ihrer Patienten. Bei dieser Auswertung konnten Wirkstoffe aus der Selbstmedikation und von Privatrezepten nicht erfasst werden. Angaben zum Alter der Patienten sind nicht möglich.
Manfred Saar
(Präsident)
(Saarbrücken, 29. September 2010) – Entgegen den Darstellungen in fast allen Medien kommt es durch die angedachte Gesundheitsreform (Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes in der gesetzlichen Krankenversicherung – AMNOG) zu einer erheblichen Belastung der deutschen Apotheken. Mit dem AMNOG soll nämlich ein neues Vergütungssystem beim pharmazeutischen Großhandel eingeführt werden. Das angedachte neue Vergütungssystem wird die Margen des Großhandels dermaßen stark schmälern, dass man mit Sicherheit davon ausgehen muss, dass durch Rabattkürzungen und –streichungen wesentliche Teile dieser Belastungen an die Apotheken durchgereicht werden. Vertreter des pharmazeutischen Großhandels haben bereits öffentlich Kund getan, dass der pharmazeutische Großhandel die Belastungen nicht tragen könne und die Belastungen an die Apotheken weitergeben wolle. Nach unseren Berechnungen handelt es sich hierbei um Belastungen für die Apotheken in Höhe von 500 Mio. Euro jährlich. Die Belastung pro Apotheke würde sich pro Jahr auf durchschnittlich 23.000 Euro summieren.
Dazu Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes: „Bei den ohnehin bereits geringen Erträgen sind die Apotheken durch das AMNOG in Ihrer Existenz nachhaltig bedroht, obwohl Sie für die Arzneimittelversorgung in der Fläche unverzichtbar sind. Folge wird sein, dass zahlreiche Apotheken, insbesondere im ländlichen Raum, schließen werden müssen und damit die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung nicht mehr sichergestellt werden kann. Bereits seit 1998 nimmt die Zahl der saarländischen Apotheken stetig ab. Gab es 1998 noch 368 Apotheken im Saarland, sind es aktuell nur noch 337. Dieser Trend wird sich durch das AMNOG noch verstärken und insbesondere Apotheken im ländlichen Raum betreffen, die nahezu ausschließlich von Verordnungen im verschreibungspflichtigen Bereich leben. Bereits heute gibt es im nördlichen Saarland immer weniger Apotheken. Sollte sich dieser Trend verstärken, und das wird er mit der Einführung des nunmehr angedachten neuen Vergütungssystem für den pharmazeutischen Großhandel, wird dies unmittelbar Auswirkungen auf die Bevölkerung und deren Versorgung mit Arzneimitteln haben!“
Hintergrund: Das nunmehr angedachte Vergütungsmodell des pharmazeutischen Großhandels mit den direkten Auswirkungen auf die Apotheken verkennt, dass bei der Berechnung zur Umstellung der Apothekenvergütung im Jahr 2004 auf ein preisunabhängiges Fixum einvernehmlich von zusätzlichen Erlösen der Apotheken aus Rabatten des pharmazeutischen Großhandels ausgegangen wurde. Hätte man damals auch die Vergütung des pharmazeutischen Großhandels wie bei den Apotheken preisunabhängig umgestellt, wäre entsprechend das Apothekenentgelt höher als 8,10€/pro Packung festgesetzt worden. Des Weiteren sind die Apotheken seit 2004, im Unterschied zu anderen Leistungserbringern im Gesundheitsbereich, abgekoppelt sowohl von den steigenden Einnahmen der Krankenkassen (+31 Mrd. Euro seit 2003) als auch von den stark steigenden Ausgaben, verursacht durch die sogenannte Strukturkomponente und zum Beispiel durch die erhöhte Mehrwertsteuer auch auf Arzneimittel (von 16% auf 19%). Die Apotheken wurden demgegenüber in diesem Zeitraum durch zusätzliche Personal- und Sachkosten in Höhe von 530 Mio. Euro belastet. In 2007 und 2008 wurde den Apotheken des Weiteren mit der befristeten Erhöhung des Apothekenabschlages von 2,- Euro auf 2,30 Euro/Packung ein weiteres Sonderopfer in Höhe von 180 Mio. Euro jährlich abverlangt. Nach Jahren ohne Honoraranpassung führte erstmalig die Schiedsstellenentscheidung im Jahr 2009 zu einer Absenkung des Apothekenabschlages von 2,30 Euro auf 1,75 Euro/Packung und damit zu einer finanziellen Entlastung der Apotheken.
gez.
Manfred Saar
4,57 Milliarden für den Fiskus in 2010 – Spitzenplatz in Europa
– Deutschland zählt zu den EU-Spitzenreitern bei der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel. Das ist das Ergebnis eines aktuellen Vergleichs der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Mit 19 Prozent hat die Bundesrepublik nach Dänemark (25) und Bulgarien (20) weiterhin den dritthöchsten Satz. Somit gibt die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) mit 4,57 Milliarden Euro mehr Geld für die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel aus als für die mehr als 21.400Apotheken mit ihren knapp 148.000 Beschäftigten (4,46 Mrd. Euro).
Im Gegensatz zu Deutschland erheben zahlreiche EU-Staaten aus sozial- und wirtschaftspolitischen Erwägungen einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel.
gez.
Manfred Saar
(Präsident)
– Stark wirkende Schmerzmittel (Opioide) werden im Saarland für rund 25 Prozent mehr Patienten verordnet als noch vor fünf Jahren. Im Jahr 2009 erhielten 21.000 GKV-Versicherte starke Schmerzmittel, im Jahr 2005 waren es „nur“ 16.000 Patienten. Das ermittelte das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut e.V. (DAPI) durch den Vergleich von Rezeptdaten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Verordnungen an Privatpatienten wurden nicht berücksichtigt. Daten für 2010 liegen derzeit noch nicht vor. Ursachen starker Schmerzen sind vor allem Krebserkrankungen.
Starke Schmerzmittel fallen unter das Betäubungsmittelrecht, denn wegen ihrer euphorisierenden Wirkung besteht die Gefahr des Missbrauchs. Bei bestimmungsgemäßen Gebrauch ist das Abhängigkeitsrisiko aber sehr gering. Die Versorgung der Patienten ist gesetzlich genau geregelt und muss von den Apotheken penibel dokumentiert werden. Ärzte müssen starke Schmerzmittel auf besonderen Rezeptformularen verordnen. „Bei Betäubungsmitteln vertraut der Staat auf das besondere Verantwortungsbewusstsein des Apothekers: Auch bei geringsten Mengen eines Betäubungsmittels muss dessen Verbleib jederzeit überprüfbar sein“, so Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes. „Für schwerwiegende Fehler haftet der Apotheker mit seiner Approbation und damit mit der Grundlage seiner Berufstätigkeit.“ Das hohe Sicherheitsniveau bei Betäubungsmitteln zeigt sich auch daran, dass sie nicht versendet werden sollen, so die Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums.
Nicht nur die Anzahl der versorgten Patienten nahm in den letzten fünf Jahren zu, sondern auch die Anzahl der abgegebenen Packungen: Die Apotheken im Saarland gaben im Jahr 2005 rund 60.000 Packungen ab, 2009 waren es bereits 90.000 Packungen. Starke Schmerzmittel werden von vielen Patienten dauerhaft benötigt. Im Jahr 2005 erhielten die Patienten durchschnittlich 3,6 Packungen pro Jahr, im Jahr 2009 waren es durchschnittlich 4,4 Packungen. Auch der Anteil der N3-Großpackungen nahm zu von 20 Prozent auf 28 Prozent. Sechs von zehn Patienten erhielten von Allgemeinmedizinern Verordnungen mit starken Schmerzmitteln. Es folgten Internisten mit 29 Prozent der behandelten Patienten.
gez.
Manfred Saar
(Präsident)


An alle 12.
Dez. 2011
saarländischen
Landtags- und Bundestagsabgeordneten
Sehr geehrte Damen und Herren,
die SPD hat bei ihrem Bundesparteitag in Berlin am 6. Dezember einen Leitantrag zur
Gesundheitspolitik des Parteivorstandes verabschiedet. Darin heißt es u.a.:
„Den Arzneimittelvertrieb werden wir liberalisieren, um Preisvorteile von größeren
Vertriebsstrukturen zu erreichen. Die Einsparungen kommen vor allem den Versicherten
zu Gute und werden nicht zwischen den verschiedenen Leistungserbringern umverteilt,
wie es sich Schwarz-Gelb zum Prinzip gemacht hat.“
Vorgenannter Leitantrag steht diametral entgegengesetzt zu dem eigentlichen Ziel
der SPD, nämlich den deutschen Mittelstand zu fördern, wozu auch die inhabergeführte
Apotheke gehört. Peer Steinbrück sagte insoweit in seiner Rede vom 06. Dezember 2012:
„Es gibt einen sehr stark stabilisierenden Mittelstand von kleinen, mittleren, von
Familienunternehmen. Es gibt auch disponierende Eliten in den Unternehmen, die einer
Verantwortungsethik folgen. All diese Gruppen wird die SPD berücksichtigen und ansprechen
müssen, wenn Sie den Charakter als Volkspartei behalten will.“
Bis dato gab es seitens der SPD ein klares Bekenntnis zur inhabergeführten Apotheke
und damit zu einer flächendeckenden Versorgung der Versichertenge-meinschaft durch
diese. Aus diesem Grunde sind wir über den aktuell beschlossenen Leitantrag mehr
als verwundert.
Hinzu kommt, dass die Gesundheitsexpertin der SPD-Fraktion, Frau Marlies Volkmer,
jetzt betont, es handele sich bei dem Leitantrag weder um die Position der Fraktion
noch der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokratinnen und Sozial-demokraten im Gesundheitswesen
(ASG).
Des Weitern hatte bereits vor einem Jahr Frau Dr. Carola Reimann in einem Interview
formuliert: Apothekenketten seien nicht Konsens in der Fraktion, sondern eine Einzelmeinung
von Prof. Dr. Karl Lauterbach.
Dennoch steht die Absichtserklärung nun in Ihrem Leitantrag.
Für uns als Standesvertretung der Apothekerschaft stellt sich jetzt die Frage: Wie
konnte es aufgrund einer „Einzelmeinung“ zu diesem Beschluss kommen? Diese Frage
müssen wir auch unseren Mitgliedern und deren Angestellten beantworten!
Soweit in Ihrem Leitantrag zu lesen ist:
„Erzielte Einsparungen sollen vor allem den Versicherten zu Gute kommen und nicht
zwischen den verschiedenen Leistungserbringern umverteilt werden…“
ist in Bezug auf die Apothekerschaft sehr klar, dass eine solche Umverteilung zu
unseren Gunsten schon seit vielen Jahren nicht mehr stattgefunden hat. Die Apotheken
erzielen durch die Umsetzung der Rabattverträge und durch angehobene Zwangsrabatte
Milliarden an Einsparungen für das Gesundheitssystem! Dem gegenüber wurde die Vergütung
für diese Leistungen seit 2004 nicht mehr angepasst! Ganz im Gegenteil: Apotheker
wurden gerade mit dem AMNOG nochmals so deutlich zur Kasse gebeten, dass der Rohertrag
für das laufende Jahr deutlich nach unten korrigiert werden muss. Es geht für viele
kleine Versorgerapotheken auf dem Lande ums nackte Überleben! Apotheken, die für
die flächendeckende Versorgung nicht wegzudenken sind.
Dass demgegenüber die von Ihnen nunmehr gewollte Liberalisierung des Apotheken-marktes
zu keinen Einsparungen für das Gesundheitswesen führen wird, steht für Marktbeobachter
außer Frage.
Glauben Sie, dass in größeren Strukturen bei sinkenden(?) Preisen die Ver-sorgungsqualität
steigt?
Glauben Sie, dass Großkonzerne, die zusätzlich ihre Anteilseigner mit Erträgen bedienen
müssen, etwaige wirtschaftliche Vorteile an die GKV oder den Verbraucher weitergeben
werden?
Glauben Sie, dass eine wie auch immer geartete Apotheken-Kette Interesse an der Erledigung
von Allgemeinwohlinteressen hat? Denn: Das Überleben vieler Landapotheken geht auf
sehr viel persönlichen Einsatz alteingesessener Apothekerinnen und Apotheker zurück,
die oft bis hin zur Selbstausbeutung für Ihr Patientinnen und Patienten da sind!
Auch die Liberalisierung des Apothekenmarktes in Norwegen hat gezeigt, dass Preise
nach einer solchen Liberalisierung nur eine Richtung kennen, nämlich nach oben.
Unsere Meinung steht: gerade die kleinteilige Versorgung durch die niedergelassenen
Apotheken ist seit Jahren an Kosteneffizienz nicht zu toppen. Gerade mal 2,5% der
GKV-Gesamtausgaben kostet der umfassende Service der niedergelassenen Apotheke –
rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Wer hier die Strukturen angreift, der setzt mutwillig
ein funktionierendes System aufs Spiel.
Gerade das Saarland ist in der Fläche auf diese Versorgerapotheken angewiesen. Wenn
Sie als SPD nunmehr an Ihrem Liberalisierungswillen festhalten, werden Sie dem noch
leistungsfähigen System den Todesstoß versetzen. Viel sinnvoller wäre es, das bestehende
System so auszustatten, dass die finanzielle Planungssicherheit für die mittelständische
Apotheke gegeben ist und dass Bürokratiemoster gezähmt werden. Hier sind u. a. Lieferschwierigkeiten
bei Rabattverträgen oder unver-hältnismäßige Retaxationen durch Krankenkassen zu
nennen. Hierfür Änderungen zu sorgen würde der Versorgung in der Fläche wirklich
zu Gute kommen.
Gerne erläutern wir Ihnen unsere Positionen auch persönlich und würden uns über Ihre
Antwort und Ihre Position in der Frage der Liberalisierung freuen.
Mit freundlichen Grüßen
gez. gez.
Manfred Saar Claudia Berger
(Präsident) (Vorsitzende)