Arzneimittellieferengpassmanagement, pharmazeutische Dienstleistungen, Schutzimpfungen in Apotheken – nicht erst seit Corona sind Apothekerinnen und Apotheker essentieller Bestandteil der Versorgung der Bevölkerung nicht nur mit Arzneimitteln. Dass das Arzneimittellieferengpassmanagement, viele pharmazeutische Dienstleistungen und die Durchführung von Schutzimpfungen den Apothekerinnen und Apothekern vorbehalten ist hat gute Gründe, erfordern sie doch profundes Fachwissen. Dieses Fachwissen wird zukünftig insbesondere Patientinnen und Patienten auf dem Land nicht mehr zur Verfügung stehen. Dazu Manfred Saar: „Die gestern von Gesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach vorgestellte „größte Strukturreform der Apotheken seit 20 Jahren“ ist nichts anderes als ein Apothekenzerstörungsprogramm. Seit Jahren setzt sich die Apothekerschaft erfolgreich für einen niedrigschwelligen Zugang aller Patientinnen und Patienten zu pharmazeutischen Leistungen ein, hier vor allem Schutzimpfungen. Wenn nunmehr der Minister insbesondere den Aufbau von Zweigapotheken auf dem Land fördern will, Zweigapotheken, in denen nicht mehr zwingend ein approbierter Apotheker vor Ort sein muss, so heißt das nichts anderes als dass die Landbevölkerung keinen Zugang mehr hat zum vollen Leistungsspektrum der Apotheken. Damit wird der 2-Klassen-Gesellschaft in unserem Land weiter Vorschub geleistet. Mit diesen Vorstellungen zur zukünftigen Ausrichtung der Apotheken in Deutschland entfernen wir uns endgültig vom Leitbild des Patienten im Mittelpunkt. Im Ergebnis schaffen wir profane Arzneimittelabgabestellen, wie sie bereits in den letzten Tagen der DDR bestanden. Dass daneben in den nunmehr favorisierten Zweigapotheken ohne Anwesenheitspflicht eines Apothekers keine Betäubungsmittel mehr abgegeben werden können, spricht Bände.“
Daneben sehen die Apotheken“reform“pläne von Gesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach eine Umverteilung des Apothekenhonorars von angeblich starken auf schwache Apotheken vor. Nochmals Manfred Saar: „Das Apothekenhonorar ist in den letzten 20 Jahren genau einmal angepasst worden, nämlich in 2013 in Höhe von 3%. Folge dieser Politik ist, dass die Zahl der Apotheken stark rückläufig ist. Allein im Saarland ist die Zahl der Apotheken seit 2013 von 324 auf aktuell 263 Apotheken zurück gegangen. Dass nunmehr mit dem Griff in die sozialistische Mottenkiste einer Umverteilung geglaubt wird, diesen Trend zu stoppen ist vollkommen lebensfremd.“
Bei der Abgabe von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln erhalten Apotheken derzeit einen Fixbetrag von 8,35 € und einen Aufschlag von 3% auf den Preis des Arzneimittels. Der Aufschlag soll zukünftig von 3% auf 2% sinken und das dadurch eingesparte Geld in die Erhöhung des Fixbetrages fließen, mithin ein Nullsummenspiel. Abschließend Manfred Saar: „Mit seinen Apotheken“reform“plänen drei Tage vor Weihnachten verspielt der Minister jegliches Vertrauen in die Politik. Sowohl das Vertrauen des Berufsstandes als auch das Vertrauen der Patientinnen und Patienten insbesondere auf dem Land.“

gez.
Manfred Saar
(Präsident)